#LoveWritingChallenge Tag 14: Alltag & Real Life

Das ist definitiv die Inspiration für mich. DIE Inspiration.

Dort auf dem Gehsteig bleibt diese alte Frau unter einem Fenster stehen. Sie klopft mit ihrem Stock an die Scheibe. Als geöffnet wird, hängt sie ein Plastiksackerl an den Griff des Stocks und hebt ihn hoch. Die Frau am Fenster greift danach und nimmt das Sackerl an sich.

Der Mann, gute Siebzig, das schüttere Haar hat er schwarz gefärbt, so dass darunter die weiße Kopfhaut besonders gut zur Geltung kommt. Er lehnt sich verschwörerisch zu mir und meint: „Die Welt steht nimma lang“. Mir schwant Übles – ich kenne ihn, kenne seine Ansichten, kenne seine um vieles jüngere Freundin, die er seine „Kleine“ nennt und die einen Namen trägt, den ich beim besten Willen nicht auf Anhieb fehlerfrei aussprechen kann. So knapp vor Wahlen so ein Satz – das bringt mein politisch interessiertes Herz zum Schnauben. Also sage ich nur: „Über Politik spreche ich nur mit guten Freunden.“

Vor mir fährt ein Auto. Das an sich wäre noch nicht sonderlich „inspirativ“. Aber der dicke, schwarze Rauch aus dem Auspuff … Der Fahrer hat die linke Hand am linken Ohr, ich vermute, er telefoniert; seinen Innenspiegel kann ich aber wegen des dichten Rauchs nicht sehen. Er nimmt eine Abzweigung nach rechts, und dann knallt´s. Der Wagen bleibt stehen, der Fahrer steigt aus und hat tatsächlich (immer noch) ein Handy am Ohr, in das er jetzt sehr lebhaft spricht.

Es sind diese Kleinigkeiten, die mich inspirieren. Gesten von Menschen, kleine Ereignisse unterwegs, bestimmte Gerüche oder Geräusche. Kleine oder auch größere Widersprüche zwischen dem, was Menschen verbal äußern und was sie körpersprachlich von sich geben (Haltung, Bewegung, Tonart beim Sprechen, Mimik und Gestik). Nachrichten im TV oder Schlagzeilen auf den Titelseiten diverser liegengelassener Gratiszeitungen.
Der kleine Igel unlängst mitten auf der Straße, der mir keck entgegenschnuppert, bevor er sich einrollt und von mir auf den Gehsteig bringen lässt.
Luftballons an einem Gartenzaun – alles das verziert Szenen, macht sie lebendiger. Oder es liefert die Settings für Szenen, die sich sonst in einem anderen Umfeld abgespielt hätten.

Meist  sind es Menschen, die mich auf Ideen bringen. Die Art, wie jemand die Hand gibt; wie jemand geht; wie jemand den Kopf zur Seite dreht; Gegenstände, die jemand bei sich hat und wie er mit ihnen verfährt. Und Sager. Eine Box in meiner „Zettelwirtschft“ gehört nur den Sagern von Menschen oder der Art, WIE jemand etwas sagt. Erst diese kleinen Beobachtungen machen fiktive Charakter rund. Die Widersprüche, die jeder Mensch in sich trägt, die sind es, die aus einer Klischeegestalt einen Menschen machen.
Dass ich eine lebende Person 1:1 in eine Geschichte übernehme, kommt so gut wie nie vor. Ich nehme Anleihe, an dem, was ich beobachte. Nur hin und wieder …

… da möchte ich jemanden ein Kärtchen in die Hand drücken. Ein Kärtchen mit der Aufschrift: „Gratuliere. Sie haben´s gerade in meinen nächsten Roman geschafft.“ 🙂

 

 

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