Morgen gehen sie raus. Die ersten Exemplare an die Testleser. Gestern noch habe ich auf FB gefragt, in welcher Form sie sie haben wollen. Vorhin waren die Antworten da und jetzt – jetzt habe ich Stress und Panik. Es hat wieder ein Stück mehr aufgehört, ein Spiel zu sein. Ein „ich würde so gerne …“. Und jetzt weiß ich nicht so genau, wie ich weitermachen soll. Die Überarbeitung ist noch lange nicht fertig. Naja, zu zwei Drittel hab´ ich sie, weil ich gestern in Schwung war. Szenen gestrichen, die ich nicht brauche (immerhin hat der „Rohling“ schon ca. 250 Normseiten und 300 ist die absolute Obergrenze vom Verlag), geändert, laut gelesen, korrigiert, logische Fehler ausgemerzt (man kann sich nicht den Knöchel prellen und dann in die Felder Laufen gehen), noch ein paar bessere Formulierungen gefunden, mit Adjektiva und Adverben gerauft, Nominalisierungen durch Verben ersetzt und was weiß ich, was noch alles. Aber ich möchte noch feinschleifen. Also – was zuerst: weiter überarbeiten oder Feinschliff? Heute habe ich noch dazu viel zu lange geschlafen und Schnee schaufeln muss ich auch noch. Und bügeln und … ach was: geschrieben wird!
Autor: Nina Dreist
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Wenn man die Strumpfmaske zuhause liegen lässt…
Dicker Nebel steigt in meinem Magen auf. Ich muss ja noch zur Kassa mit den Büchern! Was werden die wohl von mir denken?
Geplant war heute mit noch ein paar Verrückten ein „Übersinnlicher Abend“ mit Tischerlrücken und Gummibärliorakel – alles zu Zwecken der Recherche, da Louisa und ich Figuren geschaffen haben, die voll auf dem Eso-Trip sind. Da braucht es natürlich auch die passende Literatur dazu.Die Dame in der Bücherei im Hansson-Zentrum betrachtet interessiert den Stapel, den ich vor ihr aufbaue. Dann betrachtet sie mich.
„Die Kunst des Handlesens“, „Hexerei für jeden Tag“, „Rituale, Amulette, Zaubersprüche aus aller Welt“ und noch einmal Tarot.Ich versuche, eine glaubwürdige Erklärung hervorzuwürgen, da lächelt die Frau mich freundlich an.
„Ich weiß, Sie sind die Schriftstellerin“ -
Mutanfall
War es die Atmosphäre? Der Lärm? Annis Gegenwart? Egal. Etwas hat gestern im Buchquartier mein Hirn außer Kraft gesetzt. Nach einer Lesung, die stark unter der „Akustik“ gelitten hat, lande ich beim Schlendern bei einem der Verlagsstände. Ein Plakat oder ein Roll-Up mit einem klaren „Ja“ zur Belletristik hat mich in seinen Bann gezogen. Ich frage die Dame, ob sie auch „freche Frauen“ im Programm haben. Ein fester Blick zwingt mich, das Wort auszusprechen, das sonst kaum jemand kennt: „Chick-Lit“. Die Dame lächelt und weist auf eine Reihe Bücher. Die Cover kommen mir bekannt vor. Ja, auf deren Homepage war ich doch schon! Jetzt wird es ernst. Ich oute mich als Schriftstellerin auf der Suche nach einem Verlag. Ob ich schon Veröffentlichungen habe. Ja, eine. Eine zweite folgt, die hab ich grad von meiner Lektorin zurückbekommen.
„Lektorin klingt gut.“
Ja, ist auch mein Schreibcoach.
„Schreibcoach klingt auch gut. Zielgruppe?“
Frauen ab ca. 45.
„40 Plus oder 50 Plus?“ – Sie will eine Entscheidung.
„50 Plus.“Jetzt habe ich zwei Visitenkarten in meiner Tasche. Eine von ihr, eine von der Dame, die die Manuskripte annimmt. Papier bitte, und auf keinen Fall mehr als 300 Normseiten. Wenn ich es bis Februar schaffe (und das Manuskript angenommen wird), kommt „Sandra. Nicht mehr lieb“ im Frühjahr 2016 heraus.
Und wann begreife ich endlich, was da gestern passiert ist?
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NaNoWriMo – die Vorbeben
In immer kürzeren Abständen kommen die mails von den Organisatoren.
In unserer Facebook-Gruppe werden Treffen organisiert, Vorsätze gefasst, und Fortschritte in den Vorbereitungen gepostet. Fehlen nur noch ein paar Cheerleader. Mein Gefrierschrank platzt aus allen Nähten, der Vorratsschrank ist voll mit Kaffee und zur Sicherheit sogar Konservendosen.
Die Charaktere sind weitgehend überarbeitet, ebenso der Plot.
Die Buddies sind überprüft und die Liste vervollständigt.
Holz ist eingelagert.
Auf der Post steht die Urlaubsbox, Outlook verschickt ab 1. November Abwesenheitsmeldungen und an der Gegensprechanlage hängt ein Schild: „Novelist at work. Do not disturb.“ (nein, nicht wirklich, aber schön wäre es ja doch).
Der Wecker wird eine Stunde früher gestellt, man weiß ja nie, ob der Tag einem nicht Knüppel vor die Füße wirft, die uns am Schreiben hindern wollen.
Ja, es ist bald wieder soweit: 50.000 Wörter, 30 Tage, Null Ausreden – NaNoWriMo!


