#LoveWritingChallenge Tag 19: Versuchung

Die Versuchung, als Beitragsbild eine Collage zu machen – Eis, Schokolade, Zigaretten und rote Heels mit Handschellen  – war groß. So viele Versuchungen, so viele Angebote …

Mitten im Thema: Wer etwas als „Versuchung“ betrachtet oder als „Angebot“, das hängt stark von der Persönlichkeit ab.
Versuchung – ich bin ja nicht gerade stark in Sachen Bibel, aber der Begriff hat schon einen negativen Beigeschmack, eine Drohung. Wenn du den Apfel nimmst (den die böse, dumme Eva dir anbietet), dann wirst du aus dem Paradies vertrieben! Wenn du die Schokolade verschlingst, dann steigt dein Cholesterin. Ui, da kommt mir doch gleich die Panik!
Angebot – das ist etwas für offene Menschen, neugierige Menschen. Etwas, das man sich anschaut, und dann Ja oder Nein dazu sagt.

Kommt mit, machen wir einen kleinen Ausflug in die Persönlichkeitspsychologie. Ins Profiling, wenn Ihr so wollt:

Wenn wir ein Wörterbuch zur Hand nehmen und die Begriffe bewusst lesen, wird uns auffallen, dass ein großer Teil davon menschliche Eigenschaften beschreibt. Warum also in der Persönlichkeitspsychologie nicht darauf zurückgreifen? So entstand das Persönlichkeitsmodell der „Big Five“ – damals, auf der Uni, hieß es noch: „Es schaut aus, als wäre es tatsächlich brauchbar“. Jetzt, viele Jahre später, arbeiten Head Hunter damit genauso wie Partnerinstitute, genauso wie polizeiliche Ermittler.
Es besteht aus 5 Achsen, an deren Pole Eigenschaften stehen. Jede dieser Eigenschaften hat noch jeweils 6 Facetten, um sie genauer zu beschreiben.
Bekannt ist zum Beispiel die Achse „Extraversion-Introversion“. Ist jemand eine gesellige Plaudertasche, auf jeder Party zu finden (da, wo sich ein Menschenknäuel gebildet hat), oder ist jemand verschlossen, am liebsten auf einer einsamen Almhütte, vielleicht sogar ein Misanthrop (das wiederum hängt davon ab, wie hoch seine Werte auf der „Neurotizismus“-Skala sind)?
Eine dieser Achsen beschreibt das Merkmal „Offenheit für neue Erfahrungen“. Wieder mit 6 Facetten dazu. Man kann offen sein für Gefühle, für Handlungen (gestern war´s noch japanisch Bogenschießen, heute Amigurumis häkeln), für Werte (gestern noch Buddhist, heute überzeugt von Kant) – was du solchen Menschen unter die Nase hältst, sie werden es untersuchen und ausprobieren. Sie werden den Begriff „Versuchung“ als „Angebot“ umdeuten. Die Neugier wird größer sein als die Angst. „Mehr als schiefgeh´n kann es nicht“. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig für Kreative, für Unternehmer, für „Veränderer“. Klingt gut, oder? Klingt erstrebenswert!
(Anmerkung: für die meisten Menschen im Umfeld der „Offenen“ ziemlich anstrengend …)
Aber wir würden im Chaos versinken.
Am anderen Ende der Skala befinden sich die Menschen, die lieber nichts riskieren. Für sie wird in jeder neuen Möglichkeit ein hohes Maß an Gefahr stecken. Die Vertreibung aus dem Paradiese droht! Lieber mit den vertrauten Missständen leben, als das Risiko einzugehen, bei einem Versuch zu scheitern. Menschen, die bewahren wollen. Die auf „Recht und Ordnung“ achten. Klingt langweilig und spießig, oder? „Des hamma imma scho so g´macht“ gegen „was wäre, wenn?“ Auf das Angebot „Versuch!“ reagieren sie mit einem halb erstickten „Ung“ (als Laut ohne inhaltliche Bedeutung)

Natürlich spiele ich immer gerne mit Versuchungen, halte meinen Charakteren leckere Karotten vor die Nase und beobachte, wie sie reagieren.
Wird Leonora der Versuchung widerstehen und lieber weiterhin in netten Blümchenkleidern jeden Freitag mit ihrer Leserunde Liebesromane besprechen?
Wird Charly achselzuckend davon ausgehen, dass Frau König schon längst eine neue e-card hat?
Was genau ist denn nun eigentlich die Versuchung? Ist es für Michael das „Angebot“, eine Beziehung mit Sandra einzugehen; auf die Gefahr, dass er Schwierigkeiten bekommt – oder ist es das „Angebot“, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten, weil Liebe, die nicht genährt wird, sowieso einmal vergeht; auf die Gefahr, dass er eine glückliche Beziehung verpasst?

„Versuchung“ oder „Angebot“ – wie Menschen damit umgehen, hat viel mit „Angst“ und „Mut“ zu tun. Und das ist das morgige Thema. Und das ist auch ein großes (Sub-)Thema bei allem, was ich schreibe.

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